Demokratisches Verständnis.
Platz für Viele – aber nicht für Alle
Die Dialogwerkstatt Schwangerschaftsabbruch ist ein demokratisches Experiment: Wie können Menschen mit unterschiedlichen Haltungen und Erfahrungen zu einem kontroversen Thema ein gutes Gespräch führen? Wie können sie offen für die Perspektiven Anderer bleiben – ohne von ihren eigenen grundlegend abweichen zu müssen?
Diese Überlegungen führten dazu, dass wir als Projektteam nach Teilnehmenden mit einer besonders respektvollen und reflektierten Haltung gesucht haben. Auf welcher Basis sie ausgewählt und nominiert wurden, lesen Sie in unseren FAQs.
Mit einer Sache experimentieren wir als Team in der Dialogwerkstatt jedoch nicht: demokratischen Grundwerten. Deshalb haben bei uns keinen Platz:
- menschenfeindliche Äußerungen, sowohl gegen Gruppen als auch Individuen
- Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Aussehen, Religion, sozialer Schicht oder Gesundheit
- Versuche der Einschränkung der Meinungsfreiheit
- Verschwörungserzählungen oder Falschinformationen, besonders solche, durch die das Vertrauen in demokratische Instanzen gefährdet werden soll.
Diese Grundhaltung deckt sich mit der fachpolitischen Ausrichtung unseres Trägers, des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V.: „Das Institut und seine Mitarbeitenden vertreten aktiv die Grundwerte von Demokratie und sozialer Gerechtigkeit und positionieren sich hierzu im Rahmen ihrer Arbeit auch öffentlich.“
Bereits vor der ersten Kontaktaufnahme und auch im Laufe der Dialogwerkstatt vergewissern wir uns als Projektteam, dass die Teilnehmenden keine öffentlichen, antidemokratischen und/oder menschenfeindlichen Äußerungen oder Handlungen getätigt haben.
Wenn diese gegen diese Kriterien innerhalb oder außerhalb der Werkstatt verstoßen, ist es grundsätzlich möglich, dass ihnen ihr Mitwirken untersagt wird. Um zu gewährleisten, dass Debatten innerhalb der Werkstatt respektvoll und zielführend stattfinden, haben sich die Teilnehmenden gemeinsam mit uns auf einen vorläufigen Code of Conduct geeinigt.
Uns ist wichtig, klarzustellen: Eine konkrete Meinung zum Schwangerschaftsabbruch geht nicht automatisch mit einer bestimmten politischen Ausrichtung einher. Wer sich beispielsweise als Pro Choice bezeichnet ist nicht automatisch „links“, wer sich für den Lebensschutz einsetzt nicht automatisch „rechts“. Ohnehin sind „Pro Life“ und „Pro Choice“ Kategorien, die von Akteur*innen im Diskurs um Abbrüche (wie bspw. den Teilnehmenden der Werkstatt) nicht immer als sinnvoll erachtet werden.
Aktuell nutzen rechtspopulistische und –extreme Gruppierungen Themen rund um den Lebensschutz, um frauen-, queerfeindliche und rassistische Ideologien zu verbreiten. Wir als Projektteam der Dialogwerkstatt wollen Sie als Bürger*innen ermutigen:
Hinterfragen Sie kritisch Inhalte und Quellen und ziehen Sie Fakten heran, wenn Sie sich eine Meinung bilden. Vor allem: Lassen Sie diese Meinung und Ihre Grundwerte nicht von politischen Gruppierungen instrumentalisieren, die unser solidarisches Zusammenleben und unsere Demokratie gefährden.
Mehr Infos zu rechtsextremen Ideologien in Verbindung mit Gender und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit finden Sie auf der Website der Amadeo-Antonio-Stiftung.
Hier gehts zur deutschen Übersetzung einer Veröffentlichung des Europäischen Parlamentarischen Forums für Bevölkerung und Entwicklung. Dort werden unter anderem menschenfeindliche Strategien rechtsextremer und religiös extremer Gruppierungen aufgezeigt, die unter anderem im Bereich des Lebensschutzes aktiv sind.
Foto von Chris Barbalis @Unsplash