Gut zu wissen.
Wer Online nach “Schwangerschaftsabbruch“ sucht, kriegt eine Menge an Ergebnisvorschlägen – aber nicht alle Informationen stimmen oder sind wissenschaftlich belegt. Wir haben den Faktencheck zu den wichtigsten Fragen rund um den Abbruch gemacht.
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Vor Beendigung der 12. Schwangerschaftswoche (nach der Empfängnis) kann eine Schwangerschaft nach der Beratungsregelung oder bei einer kriminologischen Indikation unter bestimmten Voraussetzungen straffrei abgebrochen werden (mehr zur rechtlichen Regelung siehe hier.) Liegt eine medizinische Indikation vor (also wenn die mentale oder körperliche Gesundheit der schwangeren Person gefährdet ist), kann eine Schwangerschaft nach Absprache mit Ärzt*innen bis zur Geburt abgebrochen werden.
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Ein Schwangerschaftsabbruch, der im Anschluss an eine Schwangerschaftskonfliktberatung durchgeführt wird, ist grundsätzlich nicht kostenfrei. Die schwangere Person muss für die Kosten aufkommen, die Krankenkasse übernimmt diese nicht. Ausnahmen können für Personen gelten, die ein geringes oder kein Einkommen haben. Ebenso können bei einem Abbruch nach medizinischer und kriminologischer Indikation die Kosten übernommen werden.
Die Kosten für einen Abbruch variieren je nach Abbruchsart. Der medikamentöse Abbruch kostet weniger als der operative, weil keine Narkose notwendig ist. Im Schnitt liegen die Kosten zwischen 350€ und 650€, eine genauere Einschätzung können die behandelnden Ärzt*innen geben.
Wann werden die Kosten übernommen?
Unter bestimmten Bedingungen haben schwangere Personen Anspruch auf Kostenübernahme – unabhängig davon, ob sie eine Krankenkassenmitgliedschaft haben oder nicht. Gründe für die Kostenübernahme können sein:
die Person bezieht Sozialleistungen (bspw. Arbeitslosengeld, Bürgergeld etc.) oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
die Person lebt in einer Einrichtung, die von der Sozial- oder Jugendhilfe finanziert wird
die Person verdient im Monat nicht mehr als 1.446€ und hat kein kurzfristig verwertbares Vermögen zur Verfügung. Diese monatliche Einkommensgrenze erhöht sich um jeweils 343€, wenn ein minderjähriges Kind im selben Haushalt lebt.
Trifft einer dieser Punkte zu, muss der Antrag auf die Kostenübernahme eines Schwangerschaftsabbruchs unbedingt vor dem Abbruch bei der Krankenkasse eingereicht werden. Gefordert sind hier u.a. Nachweise über die aktuelle Einkommenssituation. Die Krankenkasse stellt dann eine entsprechende Bescheinigung aus.
Leistungspunkte, die in jedem Fall von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden sind bspw. Kosten für ärztliche Beratungen und für notwendige Vor- und Nachuntersuchungen bei einem Abbruch. Eine Schwangerschaftskonfliktberatung ist übrigens immer kostenlos.
Vgl. Familienplanung: Die Kosten eines Schwangerschaftsabbruchs. Zuletzt aufgerufen am 10.04.24. Vgl. AWO: Abtreibung Kosten. Zuletzt aufgerufen am 10.04.24.
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Zwei Dinge sind wahr:
Es gibt Personen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben und nach dem Abbruch eine körperliche und/oder psychische Belastung bemerken.
Und: Es gibt Personen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben und nach dem Abbruch keinerlei bis wenig körperliche oder psychische Belastung spüren. Jede Situation rund um einen Schwangerschaftsabbruch ist individuell. Um mehr über statistische Verteilung zu erfahren, können wir einen Blick auf Fakten und Studien zu diesem Thema werfen.
Zum körperlichen Aspekt: Der medikamentöse Abbruch und die chirurgische Absaugung gelten (wenn sie von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden) hierzulande als risikoarme Eingriffe, die rund um den Abbruch wenig Komplikationen zeigen. Im Jahr 2021 kam es beispielsweise in 0,29% der in Deutschland registrierten Abbrüche zu medizinischen Komplikationen wie erhöhtem Blutverlust oder Nachblutungen (siehe Statistisches Bundesamt (2022) Gesundheit: Schwangerschaftsabbrüche). Im Fall eines medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs sind verhältnismäßig milde Nebenwirkungen möglich, die durch das Medikament hervorgerufen werden. Die häufigsten sind krampfartige Unterleibsschmerzen, Blutungen und Probleme im Magen- und Darmbereich. Nach einem operativen Abbruch kann es zu Blutungen kommen und ein verändertes Gefühl in Hinblick auf Brüste und Unterleib eintreten.Quellen: MSD Manual: Schwanger
chaftsabbruch (2023).
Familienplanung.de: Der operative Schwangerschaftsabbruch (2024).Zum psychischen Aspekt: In dem 2024 erschienenen Kurzbericht der ELSA (Erfahrungen und Lebenslagen ungewollt Schwangerer)-Studie wird deutlich:
Wie jemand sich nach (konkret: drei Monate) einem Abbruch psychisch fühlt, hängt maßgeblich damit zusammen, wie sich die Person bereits vor Eintreten der Schwangerschaft gefühlt hat bzw. wie psychisch „gesund“ (auf Basis eigener Einschätzungen) sie war. Weitere Einflussfaktoren können mögliche Konflikte in der Partnerschaft, Versorgungsschwierigkeiten in der Durchführung des Abbruchs und verinnerlichtes oder tatsächlich erlebtes Stigma sein.
Ebenso befinden sich Menschen, die sich für einen Abbruch entscheiden, häufiger in schwierigen Lebenslagen (z.B. konfliktbehaftete Partnerschaft oder unsicheres Einkommen) – auch das ist ein Faktor, der mit einem geringeren Wohlbefinden zusammenhängen kann.
Quelle: Fact Sheets der ELSA-Studie, auf Nachfrage an elsa-studie@hs-fulda.de erhältlich.Oft wird vom sogenannten „Post Abortion Syndrom“ gesprochen. Dieses bezeichnet ein psychisch-emotionales Syndrom nach einem Schwangerschaftsabbruch und soll eine Unterkategorie der Posttraumatischen Belastungsstörung sein. Es gibt jedoch keinerlei Belege für eine solches Syndrom. Weder die WHO noch andere nationale (bspw. das deutsche Robert-Koch-Institut) oder internationale Organisationen erkennen das „Post Abortion Syndrom“ an. Zusätzlich zeigte eine der umfassendsten Studie der vergangenen Jahre (Turnaway Study, USA, 2020) auf, dass nicht der Schwangerschaftsabbruch als solcher zu einer erhöhten psychischen Belastung der betroffenen Person führt. Viel mehr stellen fehlende Unterstützung im sozialen Umfeld oder bereits bestehende, psychische Erkrankungen Risikofaktoren dar. Für den deutschsprachigen Raum kann vermutlich im Herbst/Winter 2024 mit aussagekräftigen Ergebnissen zur möglichen psychischen Belastung nach einem Abbruch gerechnet werden, wenn die ELSA-Studie vollständig veröffentlicht wird.
Eine Zusammenfassung und kritische Widergabe internationaler Studien (bis 2019) zur möglichen psychischen Belastung nach einem Schwangerschaftsabbruch bietet diese Dokumentation des Deutschen Bundestags.
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Nein. Die „Pille danach“ ist eine Hormontablette zur Notfallverhütung. Sie kann nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr den Eisprung der gebärfähigen Person verhindern oder hinauszögern. Somit können Spermien die Eizellen nicht befruchten und das Entstehen einer Schwangerschaft wird verhindert. Eine bestehende Schwangerschaft kann entsprechend nicht durch die „Pille danach“ beendet werden.
Vgl. Familienplanung: Die „Pille danach“. Zuletzt aufgerufen am 10.04.24.
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Wer unter 18 Jahre alt ist kann grundsätzlich auch ohne die Einwilligung der Eltern bzw. Erziehungsberechtigten einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen. Der/die behandelnde Ärzt*in muss die schwangere Person für einwilligungsfähig halten, was meistens im Fall von mindestens 14-Jährgen entschieden wird. “Einwilligungsfähig“ heißt: Der schwangeren Person müssen die Konsequenzen ihrer Entscheidung bewusst sein. Ist der/die behandelnde Ärzt*in nicht davon überzeugt, benötigt eine minderjährige Person die Einwilligung der Erziehungsberechtigten, um sich für einen Abbruch entscheiden zu können. Gut zu wissen: Die Schwangerschaftskonfliktberatung ist für alle Altersgruppen zugänglich und anonym und braucht keine Zustimmung der Eltern.
Vgl. AWO: FAQ: Häufige Fragen zum Schwangerschaftsabbruch. Zuletzt aufgerufen am 10.04.24.
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Grundsätzlich können Schwangerschaftsabbrüche von medizinischem Fachpersonal sowohl in Praxen als auch in Krankenhäusern/Kliniken durchgeführt werden. Proportional finden Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland überwiegend in gynäkologischen Praxen statt und weniger in Krankenhäusern (2021 fanden bspw. 81% der Schwangerschaftsabbrüche in gynäkologischen Praxen oder OP-Zentren statt, siehe Statistisches Bundesamt, Statistik der Schwangerschaftsabbrüche, 2022). Über eine Liste können außerdem alle Einrichtungen eingesehen werden, die der Bundesärztekammer mitgeteilt haben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche (nach dem § 218a Absatz 1-3 StGB) durchführen. Da die Angabe der eigenen Einrichtung freiwillig ist, führt diese Liste ziemlich wahrscheinlich nicht alle Ärzt*innen auf, die in Deutschland Abbrüche durchführen.
Vielleicht haben Sie schon den Begriff „Abtreibungsklinik“ gehört, der etwas irreführend wirken kann. Denn: Es gibt in Deutschland aktuell keine Einrichtungen von der Größe einer Klinik/eines Krankenhauses, die nur Schwangerschaftsabbrüche anbieten. Gemeint sind damit eher Praxen (manchmal auch sogenannte „Praxiskliniken“), deren medizinische Leistungen primär Schwangerschaftsabbrüche sind.
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