Fragen und Antworten zur Dialogwerkstatt.
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Die 18 Teilnehmenden der Dialogwerkstatt vertreten unterschiedliche Meinungen zum Schwangerschaftsabbruch und kommen aus vielfältigen Arbeitsfeldern. Sie sind tätig in Beratungsstellen, Sozialdiensten, Glaubensgemeinschaften oder der Medizin. Sie sind Betroffene, Pädagog*innen, Aktivist*innen oder Eltern.
Die einzelnen Profile der Teilnehmenden finden Sie hier. -
Das Projektteam des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. hat fünf Startpersonen festgelegt. Diese wurden ausgewählt, weil sie bis jetzt im öffentlichen Diskurs über Schwangerschaftsabbrüche wenig sichtbar waren. Diese fünf Personen haben nach einem „Schneeballsystem“ jeweils eine*n weitere*n Teilnehmer*in nominiert. Diese*r vertritt einen von der eigenen Meinung abweichenden Standpunkt, der von der nominierenden Person dennoch respektiert wird. Nummer zwei benennt eine dritte Perspektive nach demselben Prinzip.
So finden sich 15 Teilnehmende, die sich gemeinsam die Frage stellen: Wer fehlt in dieser Runde, damit wir möglichst vielschichtige Sichtweisen und Realitäten in den Dialog bringen? Auf dieser Basis nominieren die Teilnehmenden drei bis fünf weitere Menschen. Aufgrund der vorab festgelegten Größe der Dialogwerkstatt besteht nicht der Anspruch, alle existierenden Meinungen zum Thema abzubilden. Eine weitere Absicht hinter dem „Schneeballverfahren“ war, den Teilnehmenden der Werkstatt eine möglichst selbstbestimmte Zusammensetzung der Gruppe zu ermöglichen. Dennoch überprüft das ISS sowohl vor der Nominierung einzelner Personen als auch im Laufe der Dialogwerkstatt, dass folgende Aspekte erfüllt sind:
1.) Die Teilnehmenden haben keine öffentlich einsehbaren, antidemokratischen und/oder menschenfeindlichen Äußerungen oder Handlungen getätigt.
2.) Sie sind keine politischen Entscheidungsträger oder haben enge Verbindungen (verwandt, verpartnert) zu solchen.
3.) Sie sind bereit, auf wissenschaftlicher Basis zu diskutieren.
Es ist grundsätzlich möglich, dass das Projektteam Teilnehmenden die weitere Mitwirkung an der Dialogwerkstatt untersagt, wenn sie während der Projektlaufzeit gegen diese Kriterien verstoßen. -
Wie die Teilnehmenden sich einen guten Umgang mit Öffentlichkeit vorstellen wurde sowohl in der Gruppe als auch individuell besprochen. Im Vordergrund steht für uns dabei das Schaffen eines Raumes, in dem Menschen sich sicher genug fühlen, um sich öffentlich zu einem kontrovers diskutieren Thema wie dem Schwangerschaftsabbruch zu äußern.
Ein Teil der Mitwirkenden entschied sich dafür, die Dialogwerkstatt mit Klarnamen und Foto zu vertreten. Einige der Teilnehmenden fühlen sich wohler damit, ihre Positionen anonymisiert zu vertreten. Sie werden beispielsweise in Diskussionspapieren über das Beschreiben ihres Arbeitshintergrundes erkenntlich gemacht. Beide Maßnahmen für den Umgang mit Öffentlichkeit ermöglichen gleichermaßen ein aktives Gestalten als auch Repräsentieren der Dialogwerkstatt, beispielsweise über soziale Medien oder in der journalistischen Berichterstattung.
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Die ersten Treffen der Dialogwerkstatt (ab Dezember 2023) wollten wir zum gegenseitigen Kennenlernen nutzen. Neben dem Vertrautmachen mit den Positionierungen und (Arbeits-)Hintergründen der Teilnehmenden wurden dabei auch Diskussions- und Verhaltensregeln festgelegt, die einen sicheren Gesprächsraum schaffen sollen. In diesem Kontext besprachen die Beteiligten, in welchem Maße sie mit persönlichen Informationen und Aussagen an die Öffentlichkeit treten wollen.
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Ein Großteil der Teilnehmenden ist in Verbänden, Organisationen oder Unternehmen aktiv. Durch diese Zugehörigkeit wird ihre Arbeit natürlich geprägt. Gleichzeitig ist das Ziel der Dialogwerkstatt nicht, Einzelne für ganze Gruppen sprechen zu lassen – sondern vielmehr ihrem ganz eigenen Standpunkt und daran anknüpfenden Erfahrungen Raum zu geben.
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In der Dialogwerkstatt Schwangerschaftsabbruch verzichten wir auf das Diskutieren von Grundsatzfragen (bspw. „Soll der § 218 StGB gestrichen werden?“). So führen wir Gespräche jenseits gegensätzlicher Pole wie „Ja“ vs. „Nein“ oder „Dafür“ vs. „Dagegen“. Dadurch können wir uns Inhalten und Fragestellungen widmen, die für alle Teilnehmenden relevant sind – unabhängig von ihrem Standpunkt. Gleichzeitig birgt die Dialogwerkstatt einen experimentellen Charakter: Ob und wie ein Dialog zwischen Menschen mit teilweise konträren Meinungen gelingen kann, werden auch wir erst im Prozess herausfinden. Einen ersten Einblick in die Gespräche der Werkstatt erhalten Sie über unsere Diskussionspapiere.
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In der Werkstatt geht es ausdrücklich nicht darum, dass die Beteiligten gemeinsame Positionen entwickeln oder sich gegenseitig von ihrer Meinung überzeugen. Viel mehr identifizieren sie gemeinsam aktuelle Herausforderungen im Kontext des Schwangerschaftsabbruchs (u.a. für Betroffene, ihr Umfeld, medizinisches Personal und Beratung) – und leisten einen Beitrag zur Verbesserung der aktuellen Situation. Dabei sind die Beteiligten aufgefordert, mögliche Differenzen und Gemeinsamkeiten in ihren individuellen Positionierungen zu erkennen.
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Die Teilnehmenden der Dialogwerkstatt werden sich von Dezember 2023 bis Oktober 2024 fünf Mal in Präsenz treffen.
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Die Teilnehmenden sollten ihre Positionen nachvollziehbar begründen und belegen können. Erforderlich ist dabei ein selbstreflexiver und kritischer Umgang mit der eigenen Argumentation. Sachlich nachweisbar falsche Aussagen werden vom Projektteam des Instituts als solche nach bestem Wissen gekennzeichnet und sollten in der Folge nicht von den Teilnehmenden verwendet werden. Diese sollten außerdem dazu bereit sein, auch unterschiedliche Forschungsmeinungen zu akzeptieren, sofern diese unter Einhaltung wissenschaftlicher Standards verfasst wurden.
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Die Gespräche in der Dialogwerkstatt und wissenschaftliche Erkenntnisse im Themenfeld Schwangerschaftsabbruch sind eng miteinander verzahnt. Das gelingt uns durch zwei Elemente: Unsere eigene Forschung im Feld und extern vergebene Expertisen.
Erkenntnisse aus unserer quantitativen und qualitativen Forschung zu
1.) Meinungsbildungsprozessen und
2.) der Entscheidungsfindung im Kontext des Schwangerschaftsabbruchs
werden in der Dialogwerkstatt selbst vorgestellt.
So fußen die dortigen Diskussionen auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ebenso geben die Teilnehmenden der Dialogwerkstatt Impulse für Themen, zu denen sie sich eine Faktenaufbereitung wünschen. Diese wird ihnen in Form einer extern vergebenen Expertise geliefert, die jeweils die Gesprächsgrundlage einer Sitzung bildet. Sie ermöglicht ein fundiertes Auseinandersetzen mit spezifischen Themen und Fragestellungen. -
Das Projekt wird durch ein Team des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. umgesetzt. Dem Team obliegt in Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden der Dialogwerkstatt die strukturelle und inhaltliche Steuerung. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend fördert die Dialogwerkstatt finanziell.
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Das Projektteam des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. wird zwei Forschungsvorhaben im Rahmen der Dialogwerkstatt umsetzen. Von den Teilnehmenden der Werkstatt gewünschte Themen werden wiederum von projekt-externen Wissenschaftler*innen in Expertisen aufbereitet. Die Auswahl der Autor*innen für die Faktenblätter übernimmt das Projektteam des ISS.
Pressekontakt:
Theresa Köchl
Öffentlichkeitsarbeit und Krisenkommunikation